Der Westen wurde als Letztes in Massachusetts von den europäischen Einwanderern besiedelt - seine Geschichte beginnt jedoch viel früher mit den indianischen Ureinwohnern, die hier seit Jahrtausenden lebten. Anders als weiter östlich ist diese Region nicht Schauplatz blutiger Schlachten oder umwälzender politischer Entscheidungen gewesen. Gleichwohl ist lebendige Geschichte im Westen des Bay State keine leere Formel: Spuren der Indianer und Siedler begegnen einem auf Schritt und Tritt - und das teilweise im wahrsten Sinne des Wortes, wenn man die Vergangenheit erwandert oder auf zwei oder vier Rädern "erfährt".
Eine Zeitreise durch den Westen
Paradebeispiel dafür ist der Mohawk Trail, die State Route 2 zwischen Millers Falls im Osten und Williamstown an der Grenze zu New York State. Schon die Urvölker nutzten diese Route durch Berkshire Hills und Connecticut Valley, ihnen folgten die ersten europäischen Siedler, und 1914 wurde der Mohawk Trail offiziell zur ersten Scenic Route der USA erklärt. Die Route trägt ihren Beinamen Highway of History zu Recht: Die Zeitreise führt über Historic Deerfield mit seinen bis zu drei Jahrhunderte alten Häusern aus der Pionierzeit. Weiter geht es in Charlemont mit dem Monument Hail to the Sunrise, das der bewegten Geschichte der Mohawk-Indianer gedenkt. Ein weiterer Höhepunkt ist North Adams mit dem Western Gateway Heritage State Park und dem Hoosac-Tunnel, die an die Anfänge von Industrie und Eisenbahn erinnern.
Eintauchen ins 18. und 19. Jahrhundert
Auch das Springfield Armory ist einen Besuch wert, sofern man eine entkrampfte Beziehung zu Waffen hat: Das 1794 eingerichtete und heutzutage zur National Historic Site erklärte Arsenal rühmt sich der größten Schusswaffensammlung der Vereinigten Staaten. Wer es etwas friedvoller mag, dem seien die gut 100 Jahre alten und eleganten Herrenhäuser Naumkeag in Stockbridge sowie Mount Estate and Gardens empfohlen, die auch Freunde historischer Gartenanlagen begeistern.
Aus derselben Epoche stammen das Eisenbahndepot, das heute das Berkshire Railway Museum beherbergt, Arrowhead, Heimat von Moby-Dick-Autor Herman Melville, und Greenfield Village, eine Nachbildung eines neuenglischen Dorfes von 1895.
Lebendige Historie, das heißt immer: Hier wird die Vergangenheit nicht bloß in Vitrinen und Regalen verstaut und verwaltet, sondern die Brücke zur Gegenwart geschlagen. So auch im Hancock Shaker Village in Pittsfield, wo man 20 Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert erkunden, historische Handwerker bei der Arbeit bestaunen kann und sich die jüngsten Gäste als Shaker (eine Religionsgemeinschaft) verkleiden sowie im Kühemelken oder Korbflechten versuchen können. So wird Geschichte zum "Edutainment" für die ganze Familie.

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