Das Meer war ihr Schicksal. Keine Frage, das Meer hat seit jeher die Geschichte der Counties südlich von Boston geprägt - angefangen mit der frühesten Siedlungsgeschichte über die Boomzeiten des Walfangs bis hin zur modernen Kriegsmarine. Zwar kam die "Mayflower" 1620 nicht hier, sondern etwas westlich des heutigen Provincetown auf der Halbinsel Cape Cod an, doch angesichts der dortigen Sandböden brachen die Pilgerväter bald wieder auf und segelten weiter bis ins heutige Plymouth, wo sie sich dauerhaft niederließen. ![]()
Plymouth ist damit die älteste Siedlung in den USA nördlich von Jamestown in Virginia - daran erinnert heute der Plymouth Rock, ein großer Felsen mit Gravur, der vom Strand in die Water Street verfrachtet wurde und heute seinerseits Ziel von patriotischen Pilgern ist.
Zwei Jahrhunderte später war es New Bedford, das Geschichte machte. Das Hafenstädtchen löste Mitte des 19. Jahrhunderts Nantucket als wichtigsten Walfanghafen Neuenglands ab, denn anders als die Insulaner konnte man beim Ausbau des Hafens mit den immer größer werdenden Fangschiffen Schritt halten. Literarischen Ruhm erlangte der Küstenort durch Hermann Melvilles Erfolgsroman "Moby Dick", der zum Teil dort spielte. Doch der Boom war von kurzer Dauer, denn in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gingen Walpopulation und Nachfrage drastisch zurück.
Walfänger, Schlachtschiffe und Leuchttürme
Die Walfänger mussten in die unwirtlichen Regionen der Arktis vorstoßen, dort wurde 1871 und 1876 ein Großteil der Walfangflotte von New Bedford durch Packeis zerstört. Die Hafenstadt stieg statt dessen ins Baumwolltextilgeschäft ein, doch die Blütezeiten des Walfangs sind immer noch allgegenwärtig, wenn man durch die Kopfsteinpflasterstraßen von New Bedford bummelt oder vom Hafen aus zu einer Whale-Watching-Tour aufbricht.
Auch in Battleship Cove bedarf es nicht vieler Fantasie, sich in längst vergangene Zeiten zurückzuversetzen: In Fall River nahe der Grenze zu Rhode Island sind diverse bekannte Kriegsschiffe aus dem Zweiten Weltkrieg zu besichtigen, aber auch ein Nachbau der "Bounty". Im Jahr 1789 kam es auf der Bounty während der Rückfahrt von Tahiti zur berühmten Meuterei. Und längs der Südküste des Bay State finden sich insgesamt acht historische Leuchttürme wie die von Plymouth und Scituate, die daran erinnern, wie einst wagemutige Seeleute auch im schlimmsten Sturm alle Klippen umschifften.
Ein Musterbeispiel für lebendige Geschichte
Das beste Beispiel, wie lebendige Geschichte in Massachusetts die Besucher fasziniert, ist indes die Plimoth Plantation: rund 20 Laiendarsteller "leben" heute in dem Open-Air-Museum und stellen das Leben Mitte des 17. Jahrhunderts perfekt nach. Sie jäten Unkraut im Garten, kümmern sich um Hühner und Kühe, hacken Holz, bereiten das Essen über dem offenen Feuer zu. Sie sprechen die Besucher an, laden sie in ihre Hütten ein und berichten ihnen mit altenglischem Akzent über ihre Herkunft, ihren kargen Alltag und ihre Begegnungen mit den Wampanoag, den indianischen Ureinwohnern.
Auch deren Dorf kann man besichtigen - ebenso wie einige Meilen weiter den Nachbau der Mayflower. Hier geben ebenfalls Schauspieler in historischen Kostümen einen Eindruck von der entbehrungsreichen Zeit vor fast 400 Jahren. Die Stadt Plymouth selbst kann man mit originalgetreu gekleideten Guides von Tailored Tours besichtigen auf den Spuren von Pilgern und Sklavereigegnern. Und mit Colonial Lantern Tours geht es auf abendliche Führungen im Schein alter Laternen - ein sehr stimmungsvoller Abschluss einer unvergesslichen Zeitreise.
