Die ersten Farmer, die ersten Fabriken. Central Massachusetts ist eine Region voll lebendiger Geschichte, die es zu entdecken lohnt, obwohl man weder vom Kampf um die Unabhängigkeit Amerikas noch von Heldentaten auf See zu berichten weiß. Da ist zum einen die Besiedlung dieser ländlichen Gegend und die Frage: Wie lebten die Menschen hier vor fast 200 Jahren? Und zum anderen fasziniert die industrielle Revolution in Nordamerika, die hier Ende des 18. Jahrhunderts ihren Anfang nahm.
Vorzeigebeispiel ist dabei ohne Zweifel Old Sturbridge Village etwa 100 Kilometer westlich von Boston. In dem Freilichtmuseum wurden 40 historische Gebäude des 19. Jahrhunderts aus dem ganzen Bay State zusammengetragen - Wohnhäuser, Bauernhöfe, Geschäfte, Kneipe, Schule, Kirche und Bank, aber auch diverse Handwerksbetriebe wie Schuhmacherei,
Gießerei, Färberei, Töpferei, Druckerei und Bäckerei.
Und die werden nicht nur einfach "ausgestellt", sondern von Laiendarstellern betrieben. So kann man den Bewohnern, authentisch ausstaffiert in Originaltracht mit Strohhüten und weißen Häubchen, bei handwerklichen Verrichtungen und bei der Feldarbeit zuschauen.
Besonders viel los ist zur Herbstzeit, wenn es gilt, die Ernte einzuholen und die Wintervorräte anzulegen. Eine perfekte Zeitreise ins neuenglische Landleben anno 1830.
Ein Fluss als Schwerarbeiter
Doch Sturbridge bietet beileibe nicht die einzige Gelegenheit im Herzen von Massachusetts, die Geschichte der Region zu erkunden. So wie Boston seinen berühmten Freedom Trail hat, auf dem man Stationen auf dem Weg zur Unabhängigkeit Amerikas passiert, so hat auch Central Massachusetts seinen "Geschichtspfad":
Der Blackstone River Valley National Heritage Corridor erinnert an den Beginn der industriellen Revolution in Amerika um 1790. Zwischen der heutigen Großstadt Worcester und Providence im Nachbarstaat Rhode Island erstreckt sich ein ehemaliger Industriekorridor 75 Kilometer entlang des Blackstone River, der damals den Beinamen "America's hardest working river" trug.
Die Region konzentriert sich indes keineswegs lediglich auf Industriekultur, sondern gibt einem einen guten Eindruck davon, wie Neuengland vor über zwei Jahrhunderten ausgesehen haben mag - und wie es manchmal immer noch ist. Urige Dörfer, Obststände am Straßenrand, weite Felder, Wälder, die nicht nur im Indian Summer eine Augenweide sind, Haine voller Obstbäume, die nur darauf warten, abgeerntet zu werden. Und natürlich immer wieder Zeugnisse der Industriearchitektur aus dem 19. Jahrhundert.
Da man in diesem tollen Ambiente auch noch herrlich wandern, Kanu und Rad fahren, aber auch golfen und stilvoll essen gehen kann, kommen selbst Geschichtsmuffel voll auf ihre Kosten. Ein schönes Beispiel dafür, wie Traditionen auch in der Moderne ihren Platz haben.
